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Standardverweise

Kinetose

Nebenwirkungen der Mobilität

Bild: welt.de

Zukünftige Fahrzeugkonzepte sind geprägt von einer erhöhten Infotainmentausstattung, die mit digitalen Funktionen das Arbeiten, Lesen oder Entspannen während der Fahrt erlaubt. Die Zeit im Fahrzeug kann durch diese simultane Fahraktivitäten effektiver verbracht werden. Auch im militärischen Einsatz gehört das Arbeiten an digitalen Bedienelementen während der Fahrt zum Alltag der Soldaten. Die Umgebungsbedingungen weisen im Vergleich zum zivilen Sektor jedoch signifikante Unterschiede auf. Die Sicht nach draußen ist bei gepanzerten Landfahrzeugen stark eingeschränkt. Zudem können die mechanischen Schwingungsbelastungen sowie die klimatischen Bedingungen im Einsatzbetrieb der Bundeswehr weit oberhalb der Grenzwerte der zivilen Welt liegen. 

Traditionell steht bei der Auslegung von wehrtechnischem Material der Schutz des Soldaten im Vordergrund. Um diesen zu gewährleisten werden signifikante Einbußen in Bezug auf Innenraumabmaße der Fahrzeuge und deren Komfortstandards akzeptiert. Im Rahmen der Digitalisierung werden den Soldaten nun vermehrt elektronische Systeme zu Verfügung gestellt, ohne jedoch zusätzlichen Bauraum bereitstellen zu können. Oft stößt der Mensch dabei an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Humanitäre und physiologische Restriktionen können ihn bei der Nutzung der neuen Technologien einschränken. Vor allem im mobilen Einsatz sind hier verschiedene Aspekte zu beachten. Beispielsweise führt das simultane Arbeiten während der Fahrt oftmals zu Übelkeits-, Schwindel- und Müdigkeitssymptomen, die den Menschen signifikant in seiner Leistungsfähigkeit einschränken. Dieses Phänomen zählt zu den ältesten Schutzreaktionen des menschlichen Organismus (Kinetose). Die Abnahme der Leistungsfähigkeit durch Lärm und Hitze kann unmittelbar gemessen und bewertet werden, hierzu liegen bereits Untersuchungsergebnisse vor.

Anders bei der Anregung durch Schwingungen, da diese den Körper in vielfältiger Hinsicht negativ beeinflussen können. Vergangene Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass bei der Bewertung des Arbeitsplatzes, neben den maximalen Schwingungsbelastungen, auch niederfrequente Anregungsmuster relevante Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden haben. In diesem Zusammenhang findet sich auch hier der Aspekt der Kinetose wieder. In der VDI 2057-2 ist diese Problematik aufgegriffen. Verschiedene Randbedingungen, welche die Kinetose begünstigen, sind dort verankert. Jedoch finden sich in der gesamten Literatur keine in diesem besonderen Umfeld umsetzbaren Maßnahmen, die den kinetogenen Symptomen entgegenwirken können.

Forschungsvorhaben

Bild: i.auto.de

Das Institut für Fahrzeugtechnik Trier (ift) und das Zentrum für Innovation und Weiterbildung (ZIW) möchten einen neuen Ansatz unternehmen, diese kinetogenen Symptome quantifizierbar zu erfassen, um danach einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten und deren Wirksamkeit messbar validieren zu können. Der zu diesem Zweck entstandene Forschungsverbund aus Medizinern, Medizintechnikern und Fahrzeugingenieuren ermöglicht dabei eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Ziel ist, durch realistische Maßnahmen im Fahrzeugumfeld sowie im Mensch-Maschine-Interface eine optimierte Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems „Mensch“ zu erreichen. Aktuell wurden Untersuchungen an der Wehrtechnischen Dienststelle 41 (WTD-41) der Bundeswehr in Trier durchgeführt, bei denen sich bereits unterschiedlichste physio-psychologische Fragestellungen ergeben haben, die nun indiesemTeambehandeltwerden.

Ziele und Aufgabenstellung

Bild: mercedes-benz.de

Ziel des Gesamtvorhabens ist die frühzeitige Detektion und Objektivierung der Kinetose. So sollen Sensoren entwickelt werden, die eine frühzeitige Erkennung von KinetoseIndikatoren ermöglichen. Basierend auf dieser Untersuchung können dann, sowohl für die zivile Mobilität, als auch für den realen Fahrbetrieb gepanzerter Landfahrzeuge, die relevanten Einflussfaktoren zur Entstehung der Kinetose, sowie konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der physiologischen Reizreaktion herausgearbeitet werden. Im Rahmen der Forschungsarbeit sind neben realen Fahrversuchen auch laborähnliche Versuchsreihen geplant, die eine objektive und artefaktenarme Datenerfassung ermöglichen sollen. Vor allem in Bereichen, in denen der Einflussfaktor „Mensch“ eine übergeordnete Rolle spielt, müssen standardisierte Umgebungsbedingungen geschaffen werden. Denn nur so ist es möglich, vergleichbare Messergebnisse zu erhalten und darauf aufbauend eine adäquate Messauswertung durchzuführen.

31. August 2017

Human Technology Research Department

Für weitere Information zu diesem Projekt besuchen Sie die Seite des Human Technology Research Department Trier.